Wie bereitet man Kinder auf die Schule vor?

Welche Methoden gibt es, um die Deutsche Sprache zu erlernen…

Im letzten Bericht ging es ja darum, welche Erfahrungen Kleinkinder gemacht haben sollten, bevor sie in die Schule kommen. Um dieses Thema fortzusetzen, wird nun etwas genauer darauf eingegangen, wie man Kinder bestens auf die Schule und das Leben vorbereitet.

 

Um beim Thema Schrift anzuknüpfen, muss erwähnt werden, dass es sehr hilfreich ist, wenn Kinder einfache Wörter wie ihre Namen, „Papa“ oder „Mama“ schreiben können. Dies sind bestmöglichste Voraussetzungen, denn das Phänomen Schrift wird infolgedessen verinnerlicht. Doch so einfach ist es nicht. Da die Schrift das Gesprochene nicht abbildet, kommt es bei Kindern leicht zu Problemen. Ein langes Wort kann etwas Kleines meinen und ein kurzes Wort etwas Großes. Bei der Frage, welches Wort länger sei: „Zug“ oder „Sandkasten“, antworten womöglich viele Kinder falsch. Die meisten werden sich für „Zug“ entscheiden, weil sie damit etwas Großes assoziieren.

Kindern fehlt der Bezug zur Schrift und es ist für sie schwierig, eine ordentliche Phonem-Graphem-Korrespondenz (Zusammenhang zwischen gesprochenen Lauten und geschriebenen Schriftzeichen) zu entwickeln. Wichtig: Schrift folgt immer einem bestimmten System von Lautzuordnungen und Buchstaben. Natürlich wird auch die Wortbedeutung dabei berücksichtigt.

 

Welche Probleme treten auf?

Fragen Sie Ihre Kids nach dem Wortanfang von einfachen Wörtern. Bei der Frage „Womit fängt Hund an?“ entstehen vermutlich die ersten Probleme. Es könnte leicht der Fall sein, dass einige dabei an die Schnauze des Hundes denken werden. Sehen Kinder aber das geschriebene Wort vor sich, ist es für sie leichter, die richtige Antwort zu geben.

 

Die „phonologische Bewusstheit“ ist eine Fähigkeit, die notwendig ist, um unsere Buchstabenschrift zu erlernen. Die folgenden Beispiele zeigen, was zu tun ist, um diese Bewusstheit zu schulen (perfekt für die Kindergartenzeit):

 

  • Wörter müssen auf ihre Länge verglichen werden. Dabei darf das Gemeinte nicht berücksichtigt werden.
  • Wörter langsam und silbisch vorsprechen („Au-to-bahn“).
  • Wortanfänge miteinander vergleichen („Was fängt gleich an wie…“).
  • Reimwörter finden.
  • Immer wieder einzelne Laute in Sätzen verändern

 

Selbst wenn Kinder noch nicht lesen können, ist es wichtig, dass sie sich beim Sprechen am Geschriebenen orientieren. Das fördert die phonologische Bewusstheit und somit auch den Schrifterwerb. Lassen Sie vor den Augen Ihrer Kinder Texte entstehen und wenden Sie die oben angeführten Strategien an, um ihren Kindern beim Lernen zu helfen. In diesem Alter ist das Selbstbild von Kindern sehr verletzlich, seien Sie also geduldig, wenn Sie Trainingsaufgaben vorbereiten. Vergessen Sie nicht, dass Kinder zwischen 4 und 6 Jahren eher unbeabsichtigt und beiläufig lernen. In diesem impliziten Lernen steckt ein sehr großes Potenzial, das Sie unbedingt berücksichtigen sollten. Versäumen Sie nicht den besten Zeitpunkt, um Ihr Kind zu unterstützen! Am Schulanfang ist das Lernpotenzial wirklich noch sehr hoch.

 

„Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand.“
Arthur Schopenhauer

 

Buchtipps

Sollte sich jemand von Ihnen genauer mit dem Thema Lesekompetenz und Transitionen auseinander setzen wollen, empfehle ich das Buch von Andrea Bertschi-Kaufmann und Wilfried Griebel:

Lesekompetenz – Leseleistung – Leseförderung
Bertschi-Kaufmann (2008). Lesekompetenz – Leseleistung – Leseförderung. Seelze: Kallmeyer.

 

Beiträge zur Bildungsqualität: Übergänge verstehen und begleiten
Griebel, W.& Niesel, R. (2011) Beiträge zur Bildungsqualität: Übergänge verstehen und begleiten. Transition in der Bildungslaufbahn von Kindern.

  1. Da es hier um die Lesekompetenz geht: Wenn ein Kind eine falsche Antwort gibt, dann ist es doch wohl ganz offensichtlich so, dass dieses Kind die Frage gar nicht verstanden haben kann, nicht wahr! Das Kind hat die Frage nicht kapiert, sie ganz falsch verstanden, und daher eine Antwort gegeben (der Zug ist länger), die die Frage NICHT beantwortet!

    Wenn man nun einmal die Frage in Augenschein nimmt um herauszufinden warum das Kind sie falsch beantwortet hat: ‚Welches Wort ist länger?‘, dann ist es doch wohl ganz klar, dass das Kind gar nicht gewusst hat was der Begriff: Wort, eigentlich bedeutet.

    Die Ursache für das Nichtverstehen der Frage ist ganz offensichtlich die fehlende Begriffsbedeutung! Man muss also dem Kind erklären was der Begriff bedeutet, erst dann kann es die Frage richtig beantworten.

    Man würde der Einfachheit halber dem Kind in einem Text verschiedene Worte zeigen und sagen: Schau, dies ist ein Wort, das auch, das auch, das auch und schon versteht es. Und dann könnte es die Frage auch richtig beantworten.

    Lesekompetenz ist im übrigen von Wortbedeutungs-Kenntnissen abhängig. Nur mal nebenbei erwähnt.

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    1. Sie haben schon recht, Lesekompetenz ist natürlich mit Wortbedeutungs-Kenntnissen verbunden. Hier wird auch gezeigt, wie Kinder Lesekompetenz überhaupt erwerben und welche „Hürden“ sie zu überwinden haben.

      Das Kind assoziiert den Laut „Zug“ nicht mit dem Substantiv-Wort „Zug“ sondern mit einem echten, langen Zug den es wahrscheinlich aus dem Fernsehen kennt. Da die Phonem-Graphem Korrespondenz noch nicht gegeben ist, beantworten diese Frage viele Kinder wahrschienlich falsch. Dann, wie Sie schon richtig gesagt haben, hat das Kind noch keine Ahnung was ein Wort überhaupt ist. Doch durch diese Methoden und Fragestellungen kommt man nach und nach dem Ziel des Lesens näher.
      Die falschen Antworten, welche die Kinder geben, zeigen uns nur, wo und was wir mit ihnen noch üben müssen!

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