Entfernt sich unsere Jugend von der Natur?

Naturerfahrungen in der Kindheit sind wichtige Anregungsfaktoren für späteres Engagement für Umwelt- und Naturschutz.

Es hört sich vielleicht abgedroschen an, wenn man sagt, im Verhältnis des Menschen zur Natur wird auch sein Verhältnis zu sich selbst sichtbar. Oder man sagt, dass die Erfahrungen, die wir mit der Natur machen, auch Erfahrungen mit uns selbst sind. Denn Naturphänomene geben uns Anlässe, uns auf uns selbst zu beziehen. Möglicherweise klingt das alles etwas weit her geholt, aber ich persönlich glaube daran – und deshalb ist es wichtig, Kindern dieses Wissen weiterzugeben. Identitätskonstruktionen und Selbstkonzepte finden sich nämlich in der Natur.

 

Die nicht-menschliche Umwelt

Wann entsteht unsere Persönlichkeit und wie entwickelt sie sich? In der Psychologie wird die Persönlichkeit als das Ergebnis der Beziehung zu sich selbst und zu anderen Menschen erklärt. Bei Kleinkindern entwickelt sich in den ersten Lebensjahren das „Urvertrauen“. Dies bestimmt die Beziehungen zu vertrauten Bezugspersonen, stärkt die Persönlichkeit und entscheidet, mit welcher emotionalen Einstellung und Qualität die Welt gesehen wird. Wie wir uns später mit der Welt auseinandersetzen und mit welchen Dingen wir uns umgeben, ist nicht zufällig. Es hat vielmehr mit dem Ausdruck der Persönlichkeit und unserer Beziehung zum Weltgeschehen zu tun.

 

Forscher meinen, dass die Entfremdung der Natur, wie sie zum Beispiel in Großstädten vorkommen kann, soziale und psychische Defizite verursachen kann. Dies macht sich dann dementsprechend bei der Entwicklung von Kindern bemerkbar. Bestimmte naturnahe Freiräume wie Parks oder Wälder in Städten oder Wohnumgebungen, wirken, angeblich, dem Medienkonsum und Verhäuslichung entgegen.

„Wir sind so gern in der Natur, weil diese keine Meinung über uns hat“

  • Friedrich Nietzsche

Was sagen die Kinder dazu? (Alter in diesem Fall: 9-14 Jahre)

Bei Kinderbefragungen kam ein interessantes Ergebnis heraus. Bezüglich Naturerfahrungen steht Spaß an erster Stelle. Gefolgt von Wohlfühlen und Entspannung. Kinder meinen, in der Natur können sie so sein, wie sie wirklich sind. Nur die wenigsten haben Angst in der Natur.

 

Die Natur hat etwas sehr wertvolles an sich, was wir meistens vergessen:

Sie verändert sich ständig und besitzt dennoch Kontinuität. Im Wechsel der Jahreszeiten ist immer alles neu. Auf der anderen Seite kann ein alter Baum ganze Zeitläufe wie die Kindheit überdauern und gibt somit Halt und Beständigkeit. Die Formen, Farben und Materialien regen Phantasie an und animieren die Kinder womöglich, sich mit ihnen selbst zu befassen. Auch Sehnsüchte nach Abenteuer können in der Natur bestens ausgelebt werden.

 

Dieser „Doppelcharakter“ von Kontinuität und Sicherheit spiegelt sich unser ganzes Leben lang in uns wieder. Forscher gehen davon aus, dass wir Menschen einen Wunsch nach Vertrautheit, aber auch ein ausgeprägtes Neugierverhalten besitzen. In der Entwicklung von Kindern kann dieses Verhalten in der Natur also gestärkt werden. Der wesentliche Wert der Naturerfahrungen besteht in Freiheit. Diese Freiheit darf den Kindern nicht vorenthalten werden und sollte demnach in Schulen und zu Hause ausgelebt werden können.

 

Buchtipp!

Unter anderem gibt dieses Buch einen Einblick über die Geschichte der Heimatkunde:

Der Sachunterricht und seine Konzeptionen. Historische und aktuelle Entwicklungen
Thomas, Bernd (2013). Der Sachunterricht und seine Konzeptionen. Historische und aktuelle Entwicklungen. Bad Heilbrunn: Bad Heilbrunn.

  1. Ich finde den Beitrag gut und denke in der Theorie ähnlich. Wir leben selber im Wald. Als mein Kind klein war haben wir viel gepflanzt, geerntet, gesammelt, gepresst, beobachtet untersucht. Im Gegensatz zu mir war mein Sohn allerdings nie sehr begeistert. Nun ist er 13 Jahre alt und die Natur interessiert ihn nicht die Bohne. Leider…

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    1. Danke!
      Möglicherweise ändert sich das wenn er älter wird? Das ist natürlich immer schwer zu sagen…

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