Immigration und das Lernen der Deutschen Sprache

Beim Spracherwerb in der Migration gehen die Meinungen auseinander.

Das Schulbild hat sich in Österreich verändert. Aufgrund der Immigration heißt es nun, dass wir neue Herausforderungen zu bewältigen haben. Doch wie schaut es mit den Kindern mit nicht-deutscher Muttersprache in unseren Schulen aus? Ist die Zweisprachigkeit nun ein Segen oder ein Fluch?

 

Ein Satz den man heutzutage zu hören bekommen kann:

„Ich will nicht, dass mein Kind Türkisch etc. lernt. Es soll so schnell wie möglich Deutsch lernen. Da schadet es nur, wenn es den muttersprachlichen Unterricht auch noch besucht.“

oder

„Seine Muttersprache kann das Kind ohnehin, die braucht es nicht zu lernen. Die sprechen wir ohnehin in der Familie.“

 

Falsch.

Immer wieder werden von Leuten die lustigsten Vermutungen und Behauptungen über Zweisprachigkeit aufgestellt. In der Sprachwissenschaft sieht das Ganze etwas anders aus. Die sprachliche Entwicklung von zweisprachigen Kindern soll durchaus gefördert werden!

 

In der Erstsprache ist der Erwerb der Kerngrammatik mit dem Schulalter zwar abgeschlossen, nicht aber das Wissen über Wortschatz, höhere Grammatik und Rechtschreibung. Das Wesentliche dabei ist, dass die Spracherwerbsfähigkeit bei der Erstsprache erst den Grundstein für eine weitere Zweitsprache darstellt. Stellen Sie sich vor, Ihr Kind hätte keinen Deutsch-Unterricht in der Schule. Wie soll es dann Präterita, starke Verben oder den Unterschied zwischen 3. und 4. Fall erlernen? Es sollte also nicht sein, dass Kinder mit anderen Erstsprachen als Deutsch, den Erwerb ihrer eigenen Sprache, mit dem Eintritt in eine Österreichische Schule, abbrechen. Das heißt also, diese Kinder werden in ihrer schwächeren Sprache, also Deutsch, alphabetisiert. Dies führt zu keiner ausbalancierten Zweisprachigkeit. Ein weiterer Nachteil ist, dass der Erwerb einer Zweitsprache dadurch beeinträchtigt wird, weil ein Zusammenhang zwischen Erst- und Zweitsprachentwicklung entstehen muss.

 

Weitere Sätze könnten lauten:

„Man muss den fremdsprachigen Kindern verbieten, sich untereinander in ihrer Sprache zu unterhalten. Das hindert sie am Erlernen der deutschen Sprache!“

oder

„Kroatisch-Kenntnisse bringen den Kindern ja nichts, sie sollen lieber ordentlich Deutsch und Englisch lernen. Das können sie später brauchen.“

 

Wieder falsch.

Bei Migrationsminderheiten in Österreich könnte häufig das passieren: Die Kinder lernen in ihrer Zweitsprache (Deutsch) lesen und schreiben. Trotzdem bleibt die Weiterentwicklung ihrer Erstsprache stecken, da sie in der Schule nicht unterstützt wird. Das kann dazu führen, dass sich die Spracherwerbsfähigkeit in keiner der beiden Sprachen voll entwickeln kann. Dies bestätigen Forscher aus der Bilinguismusforschung.

 

Vorteile Bilinguismus

Die Spracherwerbsforschung geht davon aus, dass die Förderung und Ausbalancierung beider Sprachen positive Auswirkungen mit sich zieht. Es verbessern sich die analytischen Fähigkeiten (Form und Inhalt der Sprache). Auch verbessert sich der kreative Bereich des Kindes, sowie die soziale Intelligenz (differenziertes Eingehen auf andere, Empathie). Auch die DESI-Studie (Deutschland) bestätigt, dass mehrsprachige Kinder, also die die Deutsch als Zweitsprache gelernt haben, beim Erwerb der Sprache Englisch besser abschneiden, als monolinguale Kinder.

 

Zusammengefasst bleibt zu sagen, dass es nicht von Vorteil ist, den Gebrauch einer Muttersprache nur auf die Familie zu beschränken. So kann die Sprach nicht vollständig weiterentwickelt werden. Bricht der Erwerb der Erstsprache zu früh ab, kann dies negative Auswirkungen auf das Erlernen einer weiteren Sprache (z.B. Deutsch) haben. Nicht nur das, selbst die gesamte intellektuelle Entwicklung des Kindes könnte darunter leiden.

 

Buchtipp!

Schule in der Migrationsgesellschaft. Ein Handbuch
Leiprecht, Rudolf / Steinbach, Anja (Hrsg.) (2015): Schule in der Migrationsgesellschaft. Ein Handbuch. Band 1 und Band 2. Schwalbach: Debus Pädagogik.

 

Handbuch Migrationspädagogik
Mecheril, Paul (2016) (Hg.): Handbuch Migrationspädagogik. Weinheim/Basel: Beltz.

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